Die Gaunersprache

Verfasst von Sirka Chmara am 15.06.2005, 14:30 in Realität

Die Gaunersprache
Die Gaunersprache

Wer von euch liest nicht gern Krimis und andere Geschichten in denen Gauner oder Ganoven vorkommen. Dabei wird in den Büchern von den Ganoven eine besondere Sprache verwendet: Die Gaunersprache. Auch TKKG haben bereits im Buch „Die Jagd nach den Millionendieben“ (Seite 109/10) über diese besondere Sprache gesprochen und Karl der Computer hat sein Wissen darüber preisgegeben.

Diese Sprache ist eine Sonderform von Sprache und wird in den untersten Schichten der europäischen Länder gesprochen.
Entstanden ist diese Sondersprache im Mittelalter. Genauer genommen hatte diese Sprache im 10. Jahrhundert ihr erwachen. Leider ist sie erst seit dem 12. und 13. Jahrhundert überliefert worden. Sodass keiner genau weiß warum diese Sprachform eigentlich entstanden ist.

Kennzeichen der Gaunersprache ist ihr besonderer Wortschatz. Der Wortschatz der Ganovensprache enthält viele Elemente (Teile) des Jiddischen. Das ist eine westgermanische Schwestersprache des Deutschen, welche in den osteuropäischen jüdischen Gemeinden gesprochen wurde. Man unterscheidet diese Schwestersprache in zwei große Kategorien: Das Westjiddische, was bis zum 18. Jahrhundert durch die deutsche Sprache geprägt war und das Ostjiddische, das stärker slawische Elemente enthält. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte die Entwicklung zu einer eigenständigen Literatursprache. Das Ostjiddische, ist durch Auswanderungen, besonders nach Amerika, weit verbreitet. Die Deutsche Gaunersprache heißt allerdings Rotwelsch. Es gibt auch noch andere Formen der Gaunersprache, da sie in fast allen europäischen Ländern gesprochen wurde und dadurch diese zahlreichen Abspaltungen entstanden sind. Nun aber zu dem genaueren Wortschatz der Gaunersprache.

Die Silben ma le fi so hu sind der Schlüssel dieser unter den Gaunern fast allgemein herrschenden Sprache und Schrift. Es wird nämlich
an die Stelle des a - gesetzt - m
an die Stelle des m - gesetzt - a
an die Stelle des e - gesetzt - l
an die Stelle des l - gesetzt - e
an die Stelle des i - gesetzt - f
an die Stelle des f - gesetzt - i
an die Stelle des o - gesetzt - s
an die Stelle des s - gesetzt - o
an die Stelle des u - gesetzt - h
an die Stelle des h - gesetzt - u

Auch wird nie ein großer Anfangsbuchstabe gebraucht. Die in Briefen oder ähnlichem, welche mit dieser Schrift geschrieben werden, vorkommenden Zahlen, werden nicht mit Ziffern ,sondern mit einsilbigen Worten bezeichnet, und zwar 1. mit ja, 2. mit nein, 3. mit schön, 4. mit wild, 5. mit ach, 6. mit weh, 7. mit groß, 8. mit klein, 9. mit hell, 10. mit schwarz.

Bei den Zehnern werden die Einheiten nachgesetzt, nämlich 11. wird geschrieben mit schwarzja, 12. mit schwarznein, 13. mit schwarzschön etc.

Für 20 wird gesetzt - gelb, für 30 - roch, für 40 - blau, für fünfzig - grün, für sechzig - weiß, für 70 - grau- für 80 - braun, für 90 - gfärbt.

Die Zahl 100 wird bezeichnet mit Hans
Die Zahl 1000 wird bezeichnet mit Hansel.- (tra).

Das Rotwelsch, die einst weit verbreitete Gaunersprache, ist heute als Fachsprache der Verbrecher weitgehend ausgestorben und durch die Muttersprachen der international arbeitenden Galgenvögel ersetzt worden. Die merkwürdige Sprache geistert noch in so vielen Redewendungen des Hoch-und Umgangsdeutschen herum, dass es uns meist schon gar nicht mehr bewusst ist. Etwa: Schund (Mist, schlechtes Zeug), neppen (falsche Waren verkaufen). Oder man trägt eine schicke Kluft (Gewand). Aber dass der Ziegel Nase hieß, aber die Nase Nelof, das wissen wir nicht mehr. Auch petzen oder schnodderig ist heute unbefangen in Gebrauch, und ebenso sagt man etwas lässig: Er hat die Platte geputzt, d. h. er ist ausgerissen. Die deutsche Sprache hieß übrigens beim historischen Gesindel Galches Loschen.

Vom Rotwelsch der Diebesbanden ist die so genannte Kundensprache, die der Diener, Händler und Hausierer zu unterscheiden. Alle diese Sprachen haben kaum Anteile von englischen oder französischen Wörtern, sehr viel aber aus dem Hebräischen und Jiddischen, zum großen Teil auch aus dem Polnischen. Im Rotwelsch der Gauner hieße übrigens das vorliegende Produkt Zeitung „Martinifleppen“. Das soll es erst mal gewesen sein. Wer noch mehr über Gaunersprache wissen möchte, der kann sich per Internet und Lexikon schlau machen.

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Die letzten Kommentare

Zeige 2 Kommentaren

Verfasst von Hauke Preuß am 21.07.2010, 20:45

Stefan Wolf benutzt das nächste Mal in Band 12 - Nachts, wennn der Feuerteufel kommt und im Taschenbuch Der letzte Schuss (6. Taschenbuch) viel Gaunersprache. Hat mir gut gefallen.
Hauke Preuß

Dabei seit: 14.09.2004

Beiträge: 1403


Verfasst von Fanni am 24.09.2009, 23:33

Interessant
Das ist wirklich einmal intressant zu lesen, was die "Gauner" sich schon damals gescheites haben einfallen lassen. Habe mich grade parallel mal bei Wikipedia schlau gemacht, und dort bei den Beispielen gesehen, dass man einige Begriffe auch heute noch kennt und benutzt.
Fanni


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