Veronika Neugebauer ist tot

Verfasst von Linus Volkmann am 15.10.2009, 12:18 in Einblicke, Zum Hören

Nachruf: Gaby Glockners Stimme verstummt

Selbst wer den Namen nicht kennt, kennt diese Stimme - sie war die deutsche Synchro von Winona Ryder, sie war TKKGs Gaby Glockner und vieles mehr. Jetzt verstarb Veronika Neugebauer mit nur 39 Jahren.

Ein bisschen schwierig für mich, diesen Nachruf verständlich auszukleiden. Nicht jeder dürfte sich in voll-nerdigen Details über Hörspielsprecher der Trash-Jugendserie TKKG wirklich so sicher bewegen. Und dabei hätte ich gerade da so viel zu geben. Aber zusammenreißen - es hat damals ja nicht mal Veronika Neugebauer selbst interessiert. Da sie vor etlichen Jahren auch die quäkig-lebensfrohe Over-Voice der Einspieler bei der längst entsorgten MTV-News-Sendung mit Markus Kavka war, hatte ich diesen Aufhänger genutzt, sie für Intros letzte Seite zu interviewen.

Ich fragte sie, ob sie wüsste, in welcher TKKG-Folge eine Gruppe von Gangstern Banknoten fälscht, dann Geiseln nimmt und in eine Bank einbricht, um die falschen gegen echte auszutauschen - und ob die Bande nicht einfach nur in die Bank hätte einbrechen können - ohne Blüten mitzubringen. Sie konnte sich nicht erinnern. Und ich war augenscheinlich einer der bescheuerten Geeks, die bei den „Simpsons“ immer aufgefahren werden, wenn es darum geht, Comic-Conventions oder ähnliches der Lächerlichkeit preiszugeben. (Die Folge war übrigens „Die Falschmünzer vom Mäuseweg“).

Sei's drum. Veronika war bayrisch, freundlich und sehr lustig. Als ich mit dem Intro-Kollegen Felix Scharlau das, natürlich, Nerd-Stück „Robbe und Bürzel - Zwei Herzen schlagen super“ von einem meiner Bücher in eine Hörspielform bringen wollte, rief ich wieder bei Veronika an. Vielleicht bekäme man so jemand Tolles ja tatsächlich. Vermutlich aber nicht, immerhin synchronisierte sie Winona Ryder, Marisa Tomei, Neve Campbell... sang Chansons, Jazz, Oper... spielte im „Tatort“... machte wirklich alles Mögliche.

Sie sagte, pro Tag bekäme sie 1000 Euro.
Ich sagte, mmh, ich kann dir für zwei Tage zweihundert bieten.
Sie so, seufzend: Okay, ich komme.

Das darf man nicht falsch verstehen, der Rabatt lag sicher nicht daran, dass sie meine Kunst so schätzte (wie später rauskam, fand sie das Skript sogar ziemlich doof), nein, sie machte halt gern bei Sachen mit und warum nicht auch mal ein Wochenende in Köln statt München mit Fan-Spinnern wie uns verbringen?

Im Vorfeld, weiß ich noch, schauten wir uns den einzigen Kinofilm an, bei dem sie mitgespielt hatte: „Comedian Harmonists“. Als „zweites Poolgirl“ war die Rolle auf ihrer Webseite ausgewiesen, keine tragende Nummer also vermutlich. Und richtig, im Film sah man sie nur kurz oben ohne im Pool. Uff! Felix und ich schämten uns sofort, dass wir den Stargast jetzt nackt kannten. Aber nicht mehr zu ändern.

Als Veronika dann auflief, war eh alles vergessen. Sie war distanzlos, bisschen durchgeknallt, witzig und vor allem hoch professionell. Sie variierte ihre Figur auf Fingerschnipsen - von Freude zu Heulerei - und jede Nuance dazwischen war anwählbar (MP3-Download). Eh immer absoluter Wahnsinn, wenn man jemand trifft, der sein Handwerk so beeindruckend beherrscht. Abends war sie sogar noch mit einen saufen. Das ist einem ja auch immer wichtig.

Vergangenes Wochenende, am Samstag den 10.10., starb Veronika Neugebauer im Alter von nur 39 Jahren.

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