Interview mit Corinna Harder

Verfasst von Hauke Preuß am 04.02.2010, 20:05 in Interviews, Zum Lesen

Corinna Harder trifft Stefan Wolf auf der Frankfurter Buchmesse am 17.10.1999, © Corinna Harder, 1999
Corinna Harder (rechts) trifft Stefan Wolf auf der Frankfurter Buchmesse am 17.10.1999, © Corinna Harder, 1999

Bereits im November 2009 galt Corinna Harder als neue TKKG-Autorin. Jetzt stellte Sie sich unseren Fragen und verrät wie Sie Stefan Wolf kennen lernte und neue TKKG-Autorin wurde. Corinna Harders Debütroman bei TKKG heißt Millionencoup im Stadion.

Frau Harder, in Detektivkreisen sind Sie u.a. als Mrs. X bekannt. Berichten Sie bitte, wie es dazu kam.

Ich habe schon als Kind davon geträumt ein berühmter Detektiv zu sein. Angeregt durch diverse Bücher und Hörspiele, u. a. TKKG, Drei ??? und Fünf Freunde, gründete ich mit neun Jahren meinen ersten Detektiv-Klub. Das Thema Detektive hat mich auch in den nachfolgenden Jahren stets gefesselt und immer wieder beschäftigt. Und da eine derartige Faszination zum Lesen von allem verleitet, was irgendwie mit Detektiven und deren Arbeit zu tun hat, sammelte sich im Laufe der Zeit in meinem Kopf eine ganze Menge Spezialwissen an.

Vor knapp 10 Jahren begann ich dann mit der Arbeit an meinem ersten Buch, dem »Handbuch für Junior-Detektive«. Schon kurz darauf wurde ich gleich mehrfach für meinen UNDERGROUND Junior-Detektiv-Klub ausgezeichnet. So bekam ich 2002 den Kinderkulturpreis des Deutschen Kinderhilfswerks für »herausragende Leistungen von Kindern, für Kinder und mit Kindern« verliehen. Die Laudatio hielt Oliver Rohrbeck, vielen bekannt als Stimme von Justus Jonas von den Drei ???.

Innerhalb der UNDERGROUND-Welt, die gekonnt fiktive mit realen Elementen vermischt, werde ich als Chefin des Untergrunds »Mrs X« genannt.


Was war Ihre erste Detektivgeschichte?

Die ersten Detektivbücher, die ich verschlungen habe, waren Geschichten von Enid Blyton, z. B. »Tina und Tini«, und Hans Jürgen Press‘ »Die Abenteuer der schwarzen Hand«. Aber auch vor Autoren wie Arthur Conan Doyle und Edgar Allan Poe machte ich nicht Halt. Zum Glück hat meine Mutter den gleichen Buchgeschmack. So war immer ausreichend Lesestoff vorhanden.

Mit neun Jahren begann ich meine ersten eigenen Detektivgeschichten aufzuschreiben. Ich »produzierte« ein kleines Detektivmagazin, das ich in einer Mini-Auflage im gesamten deutschsprachigen Raum verteilte. Leser fand ich über Inserate in »YPS« und »Micky Maus«.


Wie wird man (TKKG-)Autor?

Autorin wurde ich, weil ich gerne die Geschichten erzählen wollte, die ich schon immer in meinem Kopf hatte. Meine ersten Buchideen brachte ich gleich bei Random House unter. Auch mit nachfolgenden Projekten hatte ich Glück und fand stets die passenden Verlage.

Kontakt zu cbj, der verlegerischen Heimat von TKKG, bestand durch meine erste Buchreihe, »UNDERGROUND«. Während eines Treffens auf der Buchmesse fragte man mich, ob ich nicht Lust hätte, ein Exposé zu einem TKKG-Titel zu verfassen. Das war im Herbst 2008. Die Geschichte gefiel und es entstand ein weiteres Konzept: »Millionencoup im Stadion«, dem 111. Band.


Aus Ihrer Feder stammen bereits einige Detektivgeschichten. Ist TKKG die erste Auftragsarbeit, bei die Protagonisten mit ihren Eigenschaften bereits feststanden?

Ja, das stimmt.


Gab es Vorgaben von Random House, die es beim Schreiben des 111. TKKG-Bandes „Millionencoup im Stadion“ zu beachten galt? Gibt es ein Autorenkompendium, in dem Fakten über TKKG nachgelesen werden können?

Dem Verlag lagen ja bereits Probetexte vor. Ich hatte also ziemlich freie Hand. Es sollte lediglich das Thema Fußball im Mittelpunkt stehen.

Ja, es gibt ein Kompendium, auf das ich zurückgreifen kann. Es ist mein eigenes.


Haben Sie sich vor dem Schreiben des Bandes in die Serie einarbeiten müssen oder kannten Sie TKKG bereits?

Ich kenne TKKG seit Start der Buchreihe und bin sozusagen mitgewachsen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir zu Hause »Die Jagd nach den Millionendieben« rauf und runter gehört haben. Die Schallplatte existiert heute noch. Sie sieht aus, als hätten wir Kinder die besten Stellen angekreuzt.

Ehrensache, dass ich bereits als Kind Mitglied im TKKG-Fanclub war.

Mit den Jahren habe ich eine riesige Hörspielsammlung zusammengetragen. Bei TKKG und Drei ??? bin ich stets am Ball geblieben und habe mir gleich bei Erscheinen die neuesten Kassetten, später CDs, zugelegt.

Stefan Wolf alias Rolf Kalmuczak habe ich Mitte der 90er Jahren kennengelernt. Mit ihm konnte man tolle lange Telefonate führen! Dabei ging es nicht immer nur um TKKG. Im Oktober 1999 habe ich ihn dann das erste Mal bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse erlebt.

Ein Jahr zuvor war ich zu Gast in der KIKA-Sendung »TKKG – Der Club der Detektive«. Dem Entwickler-Team stand ich in der Entstehungsphase der Spielshow mit meinem Detektiv-Klub-Wissen zur Seite. Besonders toll war in diesem Zusammenhang ein Ausflug in Hamburg und Umgebung: Man zeigte mir die Drehorte der 12-teiligen TKKG-Fernsehserie aus den 80er-Jahren.


Woher stammt die Grundidee Ihres ersten TKKG-Falls? Ebenfalls aus der Zeitung wie beim TKKG-Erfinder Rolf Kalmuczak?

Egal was ich schreibe, ob belletristischen Text oder Sachbuch: Meine Inhalte sind immer die Summe dessen, was ich bereits erlebt, gesehen, gehört, gelesen habe. Eigentlich ist es ganz einfach, an neue Geschichten heranzukommen. Man muss nur mit offenen Augen durch den Tag gehen.

Ich habe auch schon die Idee für einen dritten TKKG-Fall in meinem Kopf – dank einer Freundin, die bei der Steuerfahndung arbeitet und mir von haarsträubenden Vorkommnissen berichtet hat.


Wahrscheinlich wird dieser Buchband als Hörspiel erscheinen. Haben Sie gewissen Einfluss auf die Umsetzung des Hörspielskripts?

Das überlasse ich den Profis.


Wie lange haben Sie für das Verfassen des TKKG-Titels gebraucht?

Fragen nach dem »wie lange« sind schwierig. Gedanklich auseinandergesetzt habe ich mich mit dem Titel bereits im Sommer 2009. Da ich aber oft gleichzeitig an mehreren Projekten arbeite, ist die Dauer im Nachhinein nur schwer zu ermitteln. Meist benötige ich für das Konstruieren der Handlungsabläufe länger als für das Aufschreiben. Das Schreiben ist dann in einigen Wochen erledigt.


Wird es regelmäßig TKKG-Bücher von Ihnen geben?

Diese Entscheidung obliegt dem Verlag.


Bevor der erste Band überhaupt erschienen ist - haben Sie weitergehende Planungen zu TKKG-Bänden?

Mir fiele sicherlich noch genügend ein. Ein weiteres Exposé existiert ja bereits.


Welchen Einfluss haben Sie auf die Gestaltung der Illustrationen des TKKG-Buchs?

Ich habe Herrn Stolte Vorschläge gemacht, welche Szenen er illustrieren könnte.


Vor einigen Jahren gab es von Rolf Kalmuczak Lesungen. Wird es auch mit Ihnen TKKG-Lesungen geben?

Ich biete seit 2003 Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene an. Dabei sind diese mehr als reine Lesungen: Ich beziehe das Publikum mit ein, motiviere zum Mitmachen und Mitraten. Gut vorstellbar, dass ich auch mal aus »Millionencoup im Stadion« lesen werde. Konkrete Anfragen liegen auch schon vor. Meinen Veranstaltungskalender findet ihr auf www.corinnaharder.de.


Vielen Dank für das Interview.

Gern geschehen.

Interview vom 02. Februar 2010

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Die letzten Kommentare


Verfasst von DRY am 04.02.2010, 21:40

Thx
Auch wenn ich nicht gerade ein großer Fan dieser Fußballthemen bin, hört sich das doch mal nach einer vielversprechenden neuen Autorin an. Ich bin sehr gespannt.

Danke für das schöne Interview.
DRY


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