Interview mit Martin Hofstetter

Verfasst von Hauke am 15.12.2011, 02:45 in Interviews

Martin Hofstetter
Martin Hofstetter

Band 117 ist Martin Hofstetters erste TKKG-Veröffentlichung. Auf zehn Fragen liefert er erhellende Antworten und gibt dabei einen kleinen Einblick in seine TKKG-Arbeit. Außerdem spricht er über die Besonderheiten des neuesten Abenteuers der vier Freunde und verrät, was ihn an TKKG fasziniert.

Was sollte ein TKKG-Fan über den Autor Martin Hofstetter wissen?

Gute Frage... Also nach einem Mathematik- und einem Schauspielstudium – beides in Wien – habe ich in Berlin Drehbuch/Dramaturgie studiert und mich seither ganz aufs Schreiben konzentriert. Die Kombination von Verstand (Mathematik) und Gefühl (Schauspiel) kann gerade beim Schreiben von Krimis sehr hilfreich sein. Sollte man das über mich wissen? Ich weiß es nicht!


Kann man Sie auch bei Google finden oder sind das durchgehend andere Martin Hofstetters?

Ich nutze seit einiger Zeit die Suchmaschine Ixquick, die im Gegensatz zu Google & Co nicht die IP-Adresse des Nutzers speichert. Karl verwendet bestimmt auch Ixquick - gerade Detektive dürfen selber keine Spuren hinterlassen... Zur Beantwortung der Frage hab ich mal eben Google gestartet und fand mich im Zusammenhang mit dem Verlag (Random House) sowie im Zusammenhang mit verschiedenen Klanginstallationen, an denen ich gearbeitet habe. Findet man bei Ixquick übrigens genauso...


Wie sind Sie Schriftsteller geworden?

Als Schüler habe ich begonnen Gedichte zu schreiben und da es nicht einfach war für einen Siebzehnjährigen, Gelegenheiten zu finden, seine Gedichte vor Publikum vorzulesen, habe ich mir meine Lesungen einfach selber organisiert. Über Umwege kam ich dann zum Schauspiel. Und spätestens da wurde mir klar, dass ich nicht nur in Geschichten mitwirken, sondern sie selber erschaffen will. So fand ich über meine Begeisterung für Theater und Film zum Drehbuchschreiben. Und später zu Kinder- und Jugendbüchern.


Kann man vom Bücherschreiben leben?

Das ist wahrscheinlich für eine Joanne K. Rowling leichter als für mich. Auch Rolf Kalmuczak dürfte da weniger Sorgen gehabt haben.


Was war Ihre erste „Begegnung“ mit der TKKG-Bande?

Ich hab als Kind TKKG gelesen. Wenn man mir damals jemand gesagt hätte, dass ich dereinst selbst eine Folge von TKKG schreiben würde, ich hätte es nicht für möglich gehalten.


Ist „Alarm im Raubtierhaus“ ihre erste Detektivgeschichte?

Zumindest die erste, die bis dato veröffentlich wurde. Krimiplots habe ich schon viele entworfen. Die meisten für Film und Fernsehen. Aber die warten noch auf ihre Umsetzung.


Wussten Sie um die Ähnlichkeit mit früheren Abenteuern der TKKG-Freunde?

Die erste Idee für TKKG 117 kam von meiner Lektorin – und ich fand sie großartig! Ich denke, es ist unvermeidbar, dass nach 116 Fällen (und da zähle ich die Hörbücher noch gar nicht dazu) Elemente aus früheren Abenteuern wieder auftauchen. Ich finde das auch gar nicht verkehrt. Ich frage mich immer, was ich als Leser lieber hätte: Eine spannende Geschichte, bei der Elemente auftauchen, die ich schon irgendwann mal gelesen habe. Oder eine Geschichte, die sich umständlich quält, alles neu zu machen – und der man genau das ansehen kann...
Ich bin großer Columbo-Fan. Da gibt es zwar „nur“ 69 Episoden, aber dennoch haben sich Details wiederholt... aber das ist egal, denn Columbo ist einfach großartig und man schaut ihm so und so immer gerne bei der Arbeit zu!


Wie stellen Sie „Alarm im Raubtierhaus“ einem Fan vor? / Was ist das Besondere an der Geschichte?

„Alarm im Raubtierhaus“ spielt mit einer Vorstellung, die wir alle schon irgendwann einmal hatten: Die Zootiere sind frei! Klar, dass da etwas Großes dahinterstecken muss – und klar, dass die TKKG-Bande herausfinden will, was! Da ist alles drinnen, was ein TKKG-Abenteuer braucht: Spannung, Witz, falsche Fährten und die ganz große Gefahr am Ende...
Für mich gibt es viele Besonderheiten in Band 117. Auch auf der Ebene der Figuren: Tim zeigt eine menschliche Schwäche – er ist eifersüchtig auf Karl. Ein dummes Gefühl eigentlich, aber er kann es einfach nicht wegschieben. Das macht Tim zwar angreifbar, bringt ihn aber andererseits dem Leser näher. Denn jeder kennt diese Situation nur allzu gut!


Mussten Sie für Ihr TKKG-Buch recherchieren?

Bestimmte Dinge musste ich recherchieren, ja. Zum Beispiel, welche Tierarten in Zoos vertreten sind und wie viele Tiere es pro Tierart in einem durchschnittlichen Zoo gibt. Oder welches Werkzeug Kürschner verwenden. Ich war natürlich im Zoo, um mich in Sachen Raubtierhaus zu informieren. Bei den zusammenhängenden Käfigen im Berliner Zoo ist mir gleich die Szene „Vier Freunde tappen in die Falle“ eingefallen. Informieren und inspirieren gehen bei einer Recherche ja immer Hand in Hand.
Die Szene mit dem Faultier ist mir übrigens auch im Zoo eingefallen. Es ist nicht zu glauben, wie langsam sich ein Faultier bewegt, herrlich! In Gedanken sah ich sofort Klößchen vor der Glaswand stehen und neidisch auf dieses urgemütliche Tier starren.
So richtig schwierig war die Recherche nicht. Deutlich kniffliger waren die TKKG-internen Recherchen. Es hat mich einige Mühe gekostet herauszufinden, ob in den 115 Bänden zuvor schon mal ein Villenviertel in der Millionenstadt etabliert wurde. Instinktiv war mir klar, dass es so etwas schon mal gegeben haben muss, aber es hat gedauert, bis ich es gefunden habe. Bei „Die Falschmünzer vom Mäuseweg“ bin ich dann endlich darauf gestoßen: „Gelfing“ heisst der noble Stadtteil! Wahrscheinlich hätte ich die Lösung schneller gehabt, wenn ich ein Posting mit der Frage auf der TKKG-Fanseite hinterlassen hätte...


Was fasziniert Sie an TKKG?

Es ist einzigartig, wie lange TKKG schon seine Leser begeistert. Die Vorstellung, dass ich hier das Werk eines gewissen Rolf Kalmuczak weiterführe, ist umwerfend. Der erste TKKG-Fall erschien als ich grade geboren wurde!
Das war und ist bestimmt nur möglich, weil TKKG sich an seine Zeit angepasst hat. Und die TKKG-Fans haben das alles mitgemacht – das darf man nicht vergessen! Gewisse Klischees werden heute nicht mehr bedient und das ist gut so. Es wäre schade, wenn wir heute bei nächtlichen Erkundungen von TKKG auf Gaby verzichten müssten! In unserer Zeit gelten Männer und Frauen als gleichberechtigt – wer sollte das bedauern?
Wenn in 30 Jahren ein neuer TKKG-Autor „Alarm im Raubtierhaus“ oder andere Bände unserer Zeit liest, wird er bestimmt das eine oder andere nicht gut heißen. Und TKKG wird sich wieder ändern – Evolution ist nur durch Anpassung möglich. Wer starr bleibt, stirbt aus!
Aber im Kern bleibt die Idee von TKKG immer erhalten. Und das ist toll. Da sieht man, dass die Konstellation der Gruppe klug gewählt ist – das wird wohl auch in 30 Jahren noch funktionieren...
Darüber hinaus fasziniert mich...
... das Heldenhafte an Tim (besonders, wenn man sieht, dass auch er nur ein Mensch mit Fehlern ist).
... der messerscharfe Verstand an Karl (besonders, wenn man merkt, dass auch Karl mal etwas vergessen kann).
... das sympathisch-drollige an Klößchen (besonders, wenn man merkt, dass auch Klößchen alles andere als auf den Kopf gefallen ist).
... die Gefasstheit von Gaby (besonders, wenn man sieht, dass auch Gaby manchmal kämpfen muss, um ihren Gleichmut nicht zu verlieren).
Beantwortet das die Frage?


Die Fragen beantwortete Martin Hofstetter am 11. Dezember 2011.

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